Balkonkraftwerke - Fragen und Antworten

Hallo zusammen.

Hiermit eröffne ich mal einen Faden, in dem Ihr Fragen aller Art zu Balkonkraftwerken stellen könnt. Ich habe diese Sektion mal aus dem Beitrag

„Balkonkraftwerke - Eine Statistik“

ausgekoppelt.

Hier, in diesem faden, könnt Ihr z.B. auch Eure eigenen Statistiken teilen.

Allerdings: Fragen und Aussagen zu den „Speziellen Einspeisesteckdosen“ bitte in diesem Faden besprechen und nicht auch noch hier. :wink:

Ich freue mich auf Fragen, Antworten und Infos, viel Spaß…

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Ich bin mal gefragt worden, wieso wir eigentlich so einen niedrigen Verbrauch haben.

Tatsächlich hilft intelligentes Stromsparen weit mehr, den Strompreis zu senken als die Anschaffung eines Balkonkraftwerkes. Ideal sind allerdings Sparen und kluger Verbauch in Verbindung mit einem Balkonkraftwerk.

Was sich nach wenig anhört, ist über das Jahr verteilt ne ganze Menge. Bei meinem aktuellen Strompreis kostet mich jedes einzelne Watt Standbystrom: 1W * (24h*365T) *0,349€ = 3,06€ / Jahr.

Hier mal, was ich getan habe, um den Verbrauch zu senken. Wir leben zu zweit in einer ca. 110m² Wohnung und sind beide, mal wieder covidbedingt, größtenteils im Home-Office. Wir hatten einen Netzbezug von 1746 kWh im letzten Jahr.

Was haben wir also gemacht? Viele, viele Kleinigkeiten die zusammen eben eine Großigkeit ergeben:

Balkonkraftwerksunabhängig:

  1. Alle „Glühbirnen“ durch LEDs ersetzt. Wirklich ALLE! Auch Strahler und die kleinen Birnen die in der Dunstabzugshaube stecken.
  2. Standbystrom begrenzt.
  • Erst wenn ich meinen Receiver anschalte bekommen die anderen Geräte automatisch ihren Strom: BR-Player, TV-Stick u.a. Nach dem Ausschalten nimmt sich nur noch der Receiver 0,3 Watt.
  • Home-Office-Equipment mit Schalterstecker versehen. Morgen ein, Abends aus. Ihr könnt ja mal messen, was Notebooks, Drucker & Co sich so im Standby wegziehen.
  1. Kühlschrank! Den haben wir leider mitgemietet. Unsere Kühl-Gefrierkombi zieht sich ca 1,6 kW/h aus dem Netz, jeden Tag = 1,6kWh * 365T * 0,349cts/kWh = 203€. Jedes Jahr! Da gibt’s neue Geräte die wesentlich weniger ziehen. Kurz den Taschenrechner gezückt und nachgerechnet, wann sich auch ein neuer Kühlschrank bezahlt gemacht hat. Kann bei älteren Geräten in weniger als einem Jahr der Fall sein.
  2. Geschirrspüler: ähnlich wie bei der WaMa könnte man auch da mal den Verbrauch checken.
  3. Wäschetrockner. Achtung, jetzt meine ganz persönliche Sicht der Dinge: eine der beklopptesten Erfindungen der Menschheit. Zieht unglaublich viel Strom, macht die Wäsche kaputt und: was soll das bloß? Ich habe in meinem Leben noch nie einen besessen und mir hat nie etwas gefehlt. Natürlich muss man im Winter entsprechend lüften, aber es gibt eine geniale, absolut konkurenzfähige Erfindung: den Wäscheständer. :wink:
  4. Induktionsherd. Wer noch mit herkömmlichen Kochplatten heizt sollte sich die Anschaffung überlegen. Ganze Kochfelder sind heute nicht mehr allzu teuer. Gibt’s aber natürlich von bis.
    Bei den Induktionsherden wird die Energie direkt in den Topf / die Pfanne „induziert“. Somit lässt sich z.B. Wasser sehr schnell zum Kochen bringen, ohne dass erst unötig Material aufgeheizt werden muss. Schaltet man die Platte aus, ist die Energiezufuhr sofort weg, ähnlich wie beim Kochen mit Gas.

Mit Balkonkraftwerk:

Ja, wer eine Solaranlage hat, der spart natürlich viel Strom aus dem Netz (=Geld) wenn er seinen Verbrauch in die Sonnenstunden verlegt.

  • Beim Kauf einer WaMa und eines Geschirrspülers kann man also darauf achten, dass beide eine Zeitschaltung haben. So legt man die Geräte bei Abwesenheit zeitlich nacheinander in die Mittagszeit. Bei einigen Geräten (nicht bei allen!) lässt sich das nachträglich noch mit einer Zeitschaltuhr steuern. Das gilt auch für das Laden von Fahrradakkus und und und.

  • Hin und wieder mal die Panele putzen. Ich habe gemerkt, daß auch eine dünne Schicht „Saharastaub“ die Leistung merklich trüben kann. Beim Balkonkraftwerk kommt man ja meist noch leicht dran.

So, jetzt etwas nerdig:

  • Zeitschaltung des Kühlschrankes. Lohnt sich eher bei Stromziehbagaluten wie unserer Gefrierkombi: Ich stelle die Kombi von Anfang April bis Ende September Nachts um 1h ab und morgens um 8:40 wieder ein. Dazu muss man die Geräte etwas kälter stellen und: mit Kühlakkus arbeiten.

Allerdings sind normale Kühlakkus für die Gefriertruhe mit Wasser/Gel gefüllt mit einem Gefrierpunkt von 0Grad C. Ich habe das Wasser ersetzt durch eine Salzlösung. Nach Bastelei habe ich die Mischung 170g Salz auf 1 Liter Leitungswasser als ideal ausgemacht. Somit nutzen wir Nachts den Phasenwechsel von fest nach flüssig aus und die Akkus kühlen weitaus mehr. Die Energie müssen wir natürlich tagsüber wieder hineinstecken. Aber eben idealerweise mit Strom aus dem Balkonkraftwerk.
Für den Kühlschrankanteil gibt es Kühlakkus die einen Gefrierpunkt von ca. 5 Grad Celsius haben. Davon habe ich mir einen etwas größeren in den Kühlschrank gelegt.
Wie gesagt, alles etwas nerdig und eher für Bastelfreaks die wirklich alles rausholen wollen. Aber es funktioniert! Kombi um 1.5 Punkte kühler gestellt und ich habe morgens -18 Grad / +7 Grad.

  • So, und wer es jetzt absolut auf die Spitze treiben will, der nutzt den Strom nur dann, wenn wir tatsächlich einspeisen. Hierfür habe ich eine Lösung mit dem Raspberry-Pi entwickelt. Hier steuert ein Python-Skript ein Relais bei eintspechend eingestellter Einspeisung. Ich lade damit einen 12V Akku der dann mein 12V-Bastelnetzwerk versorgt. Und zwar (fast) ausschließlich mit Überschußstrom, der sonst im Netz verschwinden würde.
    Im verlinkten Artikel steht alles was man braucht um es nachzubauen. Ist aber frickelig! Weitere Mitglieder haben dort auch noch andere Lösungen präsentiert.
  • Nun habe ich die Raspi-Lösung noch etwas auf die Spitze getrieben und die Schaltung so weit erweitert, sodass ab einer Einspeisung von mehr als 300W auch noch ein Infrarotheizpanel anspringt. Es ist eines zum Preis von unter 50€ und man muss es auch mit ca. 1 cm Abstand an der Wand anbringen, da sonst der interne Thermoschalter das Panel ständig an- und abschaltet. Mit dem Abstand läuft es durch. Somit kann ich in der Übergangszeit den Eigenverbrauch an sonnigen Tagen natürlich defig erhöhen. Ob es ökologisch sinnvoll ist so Wärme zu erzeugen anstatt den Strom vielleicht lieber ins Netz zu verschenken muss jeder selbst entscheiden. Aber der Strom dafür kommt ja nun mal so von meinem Dach und die Heizpanels sind wohl ziemlich effizient und setzen 1kWh auch fast 1:1 um. Bei größeren Solaranlagen lässt sich das natürlich entsprechend dimensionieren. Dann lohnen sich dabei dann auch Klimaanlagen die eine COP von derzeit ca 4,7 aufweisen können. D.h. 1kWh Strom rein, 4,7 kWh Wärme raus. Das schlägt so manche Heizwärmepumpe. Ich empfehle zu diesem Thema den Youtube-Kanal von Andreas Schmitz.

Das war’s im Wesentlichen schon. Wer noch Ideen hat: gerne raus damit.

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Hallo,
ich hätte hier mal eine Frage zum Thema Balkonkraftwerk.
Vorab möchte ich sagen das ich zu meinem Thema ewig gegoogelt habe und nicht wirklich was gefunden habe.
Ich werde demnächst ein Balkonkraftwerk bei mir mit 600 Watt zu Hause installieren.
Ausgestattet ist das Paket mit einem Growatt mic 600tl-x Wechselrichter und zwei Modulen von Astroenergy.
Der Wechselrichter ist internetfähig und man wird mit einer App auslesen können was ich an Strom einspeise.
Das ist alles schön und gut, aber kann ich auch irgendwie feststellen, was ich mit meinen angeschlossenen Haushaltgeräten wirklich spare?
Wenn ich an einem schönen Sonnentag in der Stunde z.B. 600 Watt in der Stunde produziere aber durch meine Haushaltsgeräte nur 400 W in der Stunde verbrauche, habe ich ja nur einen Ertrag von 400 W, der Rest fließt ins öffentliche Stromnetz.
Gibt es da irgendwie eine Möglichkeit zu erfahren was ich durch meinen Verbrauch wirklich gespart habe?
Vorab schon mal danke.

Moin rura03.

Ja, das geht. Ein Beispiel dafür habe ich, wie oben schon verlinkt, in diesem Artikel beschrieben:

Balkonkraftwerke - Eine Statistik

Lies Dir am Besten auch mal das dort verlinkte Pdf durch. Da sind auch technische Beispiele aufgeführt.

Viel Erfolg bei der Installation. :+1:

Hallo monokristallin,

danke, endlich mal was brauchbares und so simpel.
In diese Richtung habe ich gar nicht gedacht. Habe mir tagelang den Kopf zerbrochen Growatt angeschrieben aber noch keine Antwort erhalten.

Danke

Vielen Dank für den ganzen Aufwand, das so zusammen zu schreiben! Eine Frage bei dem anderen Forumsthread, welcher auch @rura03 hier vermutlich interessiert (sofern nicht schon geklärt): die Darstellung der Einspeisung (in der unteren Hälfte des Bildes gezeigt) in der Discovergy-Weboberfläche oder App: hast du das (gegen Gebühr) bei Discovergy freischalten lassen? Wie hat das funktioniert?

Ich habe inzwischen auch auf 600 Watt aufgerüstet, da wir in der Wohnung oft nur rund 250 Watt Grundlast haben, geht an manchen Tagen über die Hälfte unentgeltlich ins Netz (sonniger Tag am Wochenende, wenn wir den ganzen Tag nicht daheim sind). Trotzdem lohnt es sich (sowohl finanziell wie auch persönlich: es macht einfach Spaß).

Hallo.

Nö, das ist die ganz normale Anzeige. Aber ich denke, dass Du den Teil der Einspeisung, also den orangen Teil der unter Null geht, nur dass siehst wenn Du auch einen Zweirichtungszähler hast. Im Prinzip sind die Discovergy-Zähler alle Zweirichtungszähler die dann aber netsprechend konfiguriert werden. Das kann man eingangs gleich so bestellen. Ich wurde wegen meines Balkonkraftwerkes bei der Bestellung auch darauf hingewiesen, dass das die bessere Option wäre. Preislich gab’s keinen Unterschied.
Wir können ja hiermit mal anfragen, ob sich das für Dich nachträglich noch umschalten lässt…

Ist definitiv ein Zweirichtungszähler, aber dann wohl nicht als solches freigeschalten. Habe den im Februar 2020 bekommen, aber wohl nicht als solchen bestellt.

Im Display zeigt der Zähler 1.8.0 und 2.8.0 an. Bei mir liegt die Einspeisung mittlerweile bei 38 kWh.
Grad eben nochmal nachgesehen: im sonnigen März 2022 kam ich auf 85% Eigenverbrauch, nur 15% (knapp 9 kWh) wurden eingespeist.

Per API lässt sich die Einspeisung auch nach Tag abfragen und so weiter verarbeiten. Finde aber die Darstellung in der App und Weboberfläche nochmal bisschen schicker und bequemer. Weiß nur nicht, ob es mir da extra Geld wert wäre, sollte es etwas kosten :wink:

Ich hab was von 20€ Servicegebühr für das Freischalten in der Web-Oberfläche gehört…

Hm,

also wenn ich mich bei

https://my.discovergy.com/login?1

mit meinem Kundenpasswort anmelde, dann komme ich direkt auf die Oberflche. Dafür habe ich mich ja bei Discovergy angemeldet.
Da hast Du keinen Zugang??

Wo z.B. bzw. welches Produkt? :slight_smile:

Hi Konni.

Ich hatte mir damals diesen hier gekauft:

(Somit also nicht 5, sondern 6 Grad :wink: )

Die werden allerdings wohl nicht mehr hergestellt und sind etwas schwer zu finden. Manchmal gibt’s eben noch Restposten.

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